An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei – zu diesem gemeinsamen Urteil kamen die Podiumsteilnehmer Harald Schöning, Michael Meister, Moderator Lars Hennemann, Gerhard Luther und Dirk Mähr (von links) bei der IHK Darmstadt. Foto: Guido Schiek

Presse-Stimme // Strukturen schaffen und Ängste nehmen

„WIRTSCHAFT DIGITAL“ Podiumsteilnehmer diskutieren in Darmstadt die Herausforderungen und Chancen für den Mittelstand

Computer, Smartphones, Maschinen – wo man auch hinschaut, überall begegnet man der digitalen Welt. Längst beschränkt sich die Digitalisierung dabei nicht auf das Privatleben oder den beruflichen Alltag. Betroffen sind von ihr gleichermaßen alle Gesellschaftsbereiche wie auch Branchen – die einen mehr, die anderen selbstredend weniger. Verschließen kann sich aber wohl niemand davor.

„Es ist eine Herausforderung, es ist aber auch eine riesige Chance für unsere Region und wir sollten sie nutzen“ – mit diesen einleitenden Worten begrüßte Prof. Dr. Kristina Sinemus, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt, Zuschauer und Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema „Wirtschaft Digital“ in den Räumen der IHK.

Das regionale Netzwerk „IT for work“ hatte gemeinsam mit der IHK Darmstadt, der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und der Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) zu einer großen Diskussionsrunde eingeladen, die von Echo-Chefredakteur Lars Hennemann moderiert wurde. Ihm zur Seite saßen vier Experten aus Wirtschaft und Politik, die ihre Erfahrungen mit dem Thema Digitalisierung beschrieben.

Dr. Harald Schöning von der Darmstädter Software AG wusste etwa von einem gewissen Digitalisierungsrückstand in einigen Firmen zu berichten. „Dinge, die unsere junge Generation als selbstverständlich voraussetzt, sind in vielen Unternehmen ein Problem“, sagte Schöning. „Dort ist die Technik noch nicht so weit wie im täglichen Leben – obwohl wir eigentlich schon mittendrin sind.“ Ein weiteres Problem: „Wir müssen gegen die Ängste in Unternehmen vorgehen, dass Digitalisierung Arbeitsplätze wegrationalisiert“, so der Software-Experte. „Das ist völliger Unsinn – nur wenn wir diesen Weg mitgehen, bleiben wir wirtschaftlich erfolgreich.“

Jeder Unternehmer müsse sich fragen, wo seine Tätigkeit von der Digitalisierung betroffen sei. „Das kann auch auf indirekte Weise der Fall sein“, sagte Schöning, der die Region generell gut aufgestellt sieht: „Wir sind hier sehr stark, was die IT-Kompetenz angeht.“ Zudem funktioniere die Zusammenarbeit der Branchen in der Region sehr gut. „Uns fehlt allerdings so ein bisschen der Gründergeist“, stellte Schöning fest. „Durch das ausgeprägte Sicherheitsdenken ist Scheitern verpönt, obwohl gute Ideen manchmal einfach mehrere Anläufe brauchen.“ Hier könne die Gesellschaft mit einer anderen Denkweise helfen.

Den Bogen zur Politik schlug Dr. Michael Meister (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzministerium. „Networking ist ebenso wichtig wie ein Diskurs unter den Teilnehmern“, sagte Meister, der bei der Schaffung von Infrastruktur die Privatwirtschaft in der Pflicht sieht. „Der Staat muss dafür in ländlichen Gegenden investieren, wo es Firmen nicht können“, so der CDU-Politiker. „Doch auch hier muss eine Bereitschaft von Unternehmen da sein, auf die Angebote einzugehen.“

Seitens der Politik werde versucht, durch Leitprojekte und den Rechtsrahmen die Digitalisierung auf den Weg zu bringen. Man unternehme etwas gegen unfairen Wettbewerb und gehe auch – trotz schwieriger internationaler Rechtslage – gegen Steuerflucht vor. „Den Menschen müssen die Vorteile der Digitalisierung und ihr persönlicher Nutzen klargemacht werden“, erklärte Meister.

Dass Digitalisierungsbemühungen ihre Grenzen haben, berichtete Dirk Mähr, Geschäftsführer der Bensheimer Sanner Group. Bei dem Verpackungshersteller hat man sich Investitionen in die Digitalisierung mehrere Millionen Euro kosten lassen. „Die zweite Phase der Umsetzung pausiert momentan allerdings“, so Mähr. „Für diesen Schritt sind weitere Millionen Euro nötig – man muss sich den Themen Schritt für Schritt annähern.“

Großauftrag über die Facebook-Seite

Von einem lukrativen Auftrag in sechsstelliger Höhe, der über die Facebook-Seite des Unternehmens zustande kam, erzählte Gerhard Luther, Geschäftsführer der gleichnamigen Darmstädter Schreinerei. „Dabei sind wir anfangs für unsere Digitalisierungsstrategien sogar belächelt worden“, so der Schreinermeister. Die klassische Hobelbank habe auch in seinem Unternehmen längst ausgedient. „Digitalisierung erfordert Mut“, sagte Luther abschließend. „Aber es zahlt sich definitiv aus.“

Von Tim Maurer

Erschienen am 20.04.2017 im Darmstädter Echo.

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