Klinikum Darmstadt ist Digital-Champion

100 Punkte im Focus-Ranking Fünfjahresplan für den Ausbau der IT-Technik und Infrastruktur

Eine aktuelle Studie zeichnet 415 „Digital-Champions“ als Vorreiter in Sachen Digitalisierung aus. Focus Money hat in Kooperation mit dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) die Studie durchgeführt, in der 10.000 Unternehmen aus gut 50 Branchen analysiert wurden. Spitzenreiter im Bereich Krankenhäuser ist das Klinikum Darmstadt mit 100 Punkten, gefolgt vom Klinikum Frankfurt (Oder); Rhön Klinikum, Helios Kliniken, Asklepios Kliniken und Vivantes liegen auf den Plätzen 5
bis 8.

Das Siegel „Digital Champion“ fußt auf Basis zweier Erhebungen, so heißt es im aktuellen Focus/Money Heft 10/2018: Zum einen in einem umfassenden Fragebogen, der 30 Einzelaspekte der Digitalisierung im Betrieb abdeckte, zum anderen aus der Auswertung eines Social Listenings, das sämtliche Texte, die im Jahr 2017 im Internet zu den
untersuchten Unternehmen erschienen sind, in einer Datenbank gebündelt und nach Aussagen zu Digitalisierungsprojekten und – fortschritten bewertet hat.

Die Geschäftsführung bewertet diese Auszeichnung als Bestätigung der eigenen digitalen Strategie und führt die Aufmerksamkeit auch auf die Zusammenarbeit mit der Digitalstadt Darmstadt GmbH zurück. Mit dem Gewinn des deutschlandweiten Wettbewerbs und der Auszeichnung Darmstadts als Digitalstadt hat das Thema bundesweite
Aufmerksamkeit nach sich gezogen. So haben unter anderem die Techniker Krankenkasse und Cerner, einer der großen IT-Firmen im Gesundheitswesen, über die Digitalstrategie des Klinikums Darmstadt berichtet.

„In die „Digitale Stadt“ Darmstadt werden mehrere Millionen Euro investiert, um aus ihr eine digitale Musterstadt zu machen, von der andere Städte lernen können. Dabei ist der Bereich Gesundheit ganz zentral, weil er das tägliche Leben der Menschen betrifft, auch wenn viele allzu oft nur dann an die eigene Gesundheit denken, wenn es um sie nicht so gut steht“, sagt Stadtkämmerer und Aufsichtsratsvorsitzender André Schellenberg. „Die Auszeichnung als Digital Champion
für unser kommunales Krankenhaus ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir von Anfang an auf diesen Bereich mit den richtigen Strategien gesetzt haben. Dies spornt uns weiter an, die Digitalisierung in der Krankheitsprävention,
Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung voranzutreiben, bei hohem Schutz und Sicherheit der Patientendaten.“

Vision: Gesund bleiben und werden
„Der Gewinn des Wettbewerbs hat uns einen Schub gegeben. Die Vision ist, dass die Digitalstadt Darmstadt – und wir als Teil und Treiber des Bereichs Gesundheit – ihren Bürgerinnen und Bürgern hilft, gesund zu bleiben und zu werden. Wir wollen die Digitalisierung vorantreiben und nicht zu Getriebenen werden. Wir wollen mithelfen, dass jeder Patient, der dies möchte, auf seine Gesundheitsdaten zugreifen und diese auch weitergeben kann. Dabei steht die IT-Sicherheit immer im Vordergrund. Wir wollen eine IT-Sicherheit auf allerhöchstem Niveau und die lückenlose Verfügbarkeit aller Daten – ohne Medienbruch. Denn dies kann und wird die Patientensicherheit jedes einzelnen enorm erhöhen. Denken Sie nur an wichtige Notfalldaten, Patientenverfügungen oder vermeidbare Doppeluntersuchungen oder Wechselwirkungen bei
Medikamenten“, sagt Geschäftsführer Clemens Maurer.

Derzeit verfügt das Klinikum Darmstadt, wie so viele deutsche Krankenhäuser, über viele parallele einzelne Digitalleistungen – dazu gehören teil-digitale Patientenakten, elektronische Arztbrieferstellung, mobile Visiten, digitales Archiv, Online-Terminvergabe oder zum Beispiel die Labor-Datenabfrage am Patientenbett. Gelebte Praxis sind auch Videokonferenzen in den wöchentlichen Tumorboards mit niedergelassenen Praxen aus dem Odenwald oder in Kooperation mit der Radiologie eines Kreiskrankenhauses. Der entscheidende nächste Schritt aber fehlt noch: Damit jeder Mediziner zu jeder Tages- und Nachtzeit auf alle Anamnesen, Befunde, Arztbriefe, OP-Berichte zugreifen kann, müssen alle Systeme ineinandergreifen. Das macht den Ausbau der Digitalisierung, des Datenschutzes und der Datensicherheit notwendig.

Trotz Sparkurs: hohe Investitionen im IT-Bereich
Das Klinikum Darmstadt hat sich daher schon früh dazu entschieden, diesen Themen einen hohen Stellenwert zuzumessen. Organisatorisch ist die IT-Abteilung direkt der Geschäftsführung unterstellt. Die Geschäftsführung hat die Digitalisierung und die IT-Sicherheit damit zur Managementaufgabe gemacht. Zudem wurde der Bereich Medizintechnik in die IT-Abteilung integriert, weil es heute keine medizintechnischen Produkte mehr gibt, die nicht digital angebunden sind. Im Investitionshaushalt wurde ein Fünfjahresplan für den Ausbau der IT-Technik und -Infrastruktur aufgestellt, der sich auch im Wirtschaftsplan niederschlägt. Die Geschäftsführung hat damit statt eines radikalen Sparkurses auf gezielte Investition und eine Verbesserung der Prozessabläufe durch intensiven IT-Einsatz gesetzt. „Diese früh festgelegte digitale Strategie und der Fünfjahresplan für Investitionen in den Ausbau der IT-Technik und – Infrastruktur, waren und sind der richtige Weg. Wir freuen uns sehr, dass dies jetzt auch von außen gesehen und so positiv bewertet wird“, sagt Clemens Maurer über die Auszeichnung mit dem Focus-Siegel als Digital Champion.

„Ein Teil der Finanzierung läuft über die pauschalen Fördermittel des Landes. Den großen Teil aber, den müssen wir aus eigener Kraft, aus eigenen Mitteln finanzieren, weil die pauschalen Fördermittel für die Digitalisierung und den Ausbau der IT bei weitem nicht ausreichen. Auch, weil aus diesem Topf noch viele weitere Posten finanziert werden müssen – etwa die Investitionen in den Baubestand oder in die Medizintechnik“, erläutert Clemens Maurer weiter. „Digitalisierung und IT-Sicherheit sind als Kernfunktionen eines Krankenhauses von strategischer Bedeutung. Deswegen haben wir uns organisatorisch entsprechend aufgestellt und investieren massiv in unsere IT-Infrastruktur und Schulungsmaßnahmen. 3 Prozent des Jahresbudgets fließen in die IT und in die Schulung der Mitarbeitenden, denn dort muss es uns gelingen, den
Kulturwandel “, erläutert der Geschäftsführer weiter. Derzeit sucht der Gesundheitsversorger einen weiteren IT-Projektleiter für die anstehenden Digitalisierungsvorhaben.

Digitalisierung braucht einen Kulturwandel
Entscheidend mit angestoßen hat Gerhard Ertl die Digitalisierung, seit 2015 Abteilungsleiter und CIO (Chief Information Officer) Informations-, Medizin- und Telekommunikationstechnik der Klinikum Darmstadt GmbH: „In unserem Haus war viele Jahre so verfahren worden, wie in vielen anderen Kliniken auch: IT wurde vorwiegend als Notwendigkeit im Abrechnungsbereich und als Kostenfaktor gesehen. Deswegen wurden IT-Projekte auch nur mit möglichst geringem Budget und Aufwand umgesetzt.“ Entsprechend wichtig war es für den IT-Leiter, möglichst schnell die Kommunikation zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und eine Kultur gegenseitigen Verständnisses aufzubauen. Für ihn und sein Team hatte es Priorität, das Krankenhausinformationssystem Medico von Cerner möglichst zügig auszubauen und so die
Grundlage für eine weitergehende Digitalisierung des Hauses zu legen.

„Die gute Nachricht war, dass wir uns seitens der IT-Abteilung voll auf die Kolleginnen und Kollegen im Haus konzentrieren konnten, da uns die Geschäftsführung völlig freie Hand ließ. Die Geschäftsführung vertraut uns in fachlicher Hinsicht und sieht ihre Aufgabe in Hinblick auf die IT darin, die Mittel bereitzustellen, die wir benötigen, um unsere Aufgabe sachgerecht durchzuführen. Natürlich ist das kein Freibrief. Aber man vertraut unserem Urteil als
Fachleuten“, so Ertl weiter.

Für Gerhard Ertl klappt die Digitalisierung nur, „wenn eine Kultur etabliert werden kann, die Wandel als etwas Positives sieht, als etwas, das die Chance zu Verbesserungen bietet und nicht nur Risiken. Den menschlichen Drang, an Bewährtem festzuhalten, sollte man nicht unterschätzen.“

Geschäftsführung und IT-Leiter sind sich einig: „Die Digitalisierung birgt viele Chancen und die Krankenhaus-IT bietet ein enormes Potenzial: Für die Patienten eine bessere Versorgung und mehr Sicherheit, für das Krankenhaus transparentere Prozesse und damit auch die Möglichkeit, effizienter zu arbeiten und im Wettbewerb zu bestehen. Wir brauchen nur einen gesetzlichen Rahmen, Innovationsfreude und eine ausreichende Finanzierung, dann ist die Digitalisierung im
Gesundheitswesen kein Traum mehr.“

6. März 2018 / Vro.

Weitere Beiträge

aus den Kategorien Innovation

X