Digitale Zuchtplanung im Vivarium

Was macht den Darmstädter Zoo so unglaublich digital? Hier wird eine weltweite Datenplattform zur Erhaltung bedrohter Tierarten eingesetzt.

Freety

In vielen Städten gibt es extra Busse für Sightseeing-Touren, mal von Tonbanddurchsagen, mal mit geführter Moderation begleitet. Viele klappern die Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit ab. Doch nachhaltiges Reisen ist das nicht gerade, kritisieren die Entwickler der App „freety.guide“ Simon Schilling und Alexander Jaquet. Schließlich sind öffentliche Verkehrsmittel ohnehin in den Städten unterwegs.

Die App des Darmstädter Startups Freety UG ermöglicht digitalisierte Städtetouren in öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem eigenen mobilen Endgerät zu erleben. Der Besucher kann sich auf eine Entdeckungstour durch die Stadt mit Bussen und Straßenbahnen begeben, während gesprochene Audio-Guides erzählen, was man durch die Fenster sehen kann. Das Besondere: Die Macher der individuellen Städtetouren verwenden dabei Open Data (frei verfügbare Daten) und digitale Fahrplan- und Karteninformation. Ein Vorteil: Reisende können jederzeit und von überall im Streckennetz zur Städtetour starten.

„Die Werte in unserer Gesellschaft verändern sich – hin zu einem größeren Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen und zu mehr Verantwortung für unseren Planeten“, erklärt Gründer Simon Schilling. „Unsere App passt sich dieser Entwicklung an und macht Sightseeing nachhaltig und individuell erlebbar. “

Unterstützt wird freety.guide dabei von dem Esa Business Incubation Centre Darmstadt und der Darmstadt Marketing GmbH. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit der HEAG Holding AG.

Darmstadt wird als erste Stadt in der die App gelaunched kündigt Simon Schilling an. Er schätzt am Standort Darmstadt die aktive Gründer-Community und die idealen Daten- und Verkehrsanbindungen als guten Ausgangspunkt für die Expansion in weitere Städte.

Foto: Simon Schilling und Alexander Jaquet von Freety setzen bei der Stadtführung mit Smartphone ganz auf öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Daten.

DARZ

DARZ in Darmstadt ist ein auf 8000 Quadratmetern angesiedelter innovativer Service-Provider mit eigenem Hochsicherheitsrechenzentrum. Das Unternehmen macht viele IT-Entwicklungen erst möglich: Voran durch Anwendungen im Bereich von Cloud Computing und durch die Bereitstellung hochsicherer Datenspeicher im eigenen Rechenzentrum. Es ist direkt mit dem weltgrößten Internetknotenpunkt der Welt DE-CIX in Frankfurt verbunden. Die DARZ GmbH um Geschäftsführer Sergey Mirochnik bietet eine in Deutschland kaum zu toppende Datenverfügbarkeit von 99,9 Prozent, wie der TÜV Rheinland ermittelt hat. Viele Anbieter von IT-Services lagern deshalb hier wertvolle Daten aus (IT-Deutsch „housing“), darunter Banken und Unternehmen der Telemedizin und auch das Darmstädter Startup AUTHADA mit seinem digitalen Identifikationsverfahren. Die Sicherungsvorkehrungen im Darmstädter Gebäude auf 2500 Quadratmetern Datenspeicher mögen an James-Bond-Filme erinnern: Schusssichere Verglasung, bombensichere Bauweise. Vier Notstromaggregate à 2500 PS mit Treibstoffreserven für drei Tage stellen den Serverbetrieb bei Stromausfall sicher.

Dike

Katze entlaufen – hat sie jemand gesehen? Einbrecher in der Gegend? Gibt es Warnungen der Polizei? Die in Darmstadt entwickelte Dike-App möchte ein Warnsystem in der digitalen Zukunftsstadt bieten, wo Nachbarschaft verbreitet durch Anonymität geprägt ist. Man muss sich hier nicht unbedingt kennen oder mögen, doch wenn es um die Sicherheit geht, relevante Informationen in Echtzeit austauschen, von der alle Bewohner profitieren. So beschreibt Florian Landenberger von Dike die Idee des vernetzten Sicherheitswarners. Über die DIKE-App sollen Nutzer schnellstmöglich per Smartphone vor Gefahren gewarnt und über Vorfälle in der Nähe informiert werden. So können Anwender in Echtzeit Warnungen und Hinweise anderer Nutzer und der Polizei erhalten oder selbst versenden.

Die Gründer Thomas Gnirs und Christian Landgrebe haben die App in der Gemeinde Grafschaft bei Bonn mit 300 Nutzern getestet. Jetzt steht sie für Geräte mit Android-Betriebssystem zur Verfügung, iOS-Kompatibilität soll folgen. Die Gründer von Dike schätzen an ihrem südhessischen Standort die Innovationskraft und hohe Dichte an IT-Professionals, die Nähe zum Flughafendrehkreuz Frankfurt, sowie den engen Kontakt zur TU-Darmstadt.

Isofleet

Warum können Glas-, Altkleider- und weitere Reststoffcontainer nicht einfach mitteilen wann sie voll werden und abgeholt werden wollen? Entsorger müssten sie nur noch anfahren, wenn Sammelcontainer tatsächlich voll werden und könnten gleichzeitig überfüllte Standorte vermeiden. Wege, Sprit, Arbeitszeit und Anwohnerbelastung könnten reduziert werden. Dieses Szenario ist längst Wirklichkeit – die Darmstädter Tüftlerentwicklung ISOCollect macht es möglich.

Optische Füllstandmesser und in Darmstadt produzierte Präzisionswagen werden in Wertstoffcontainern verbaut, eine digitale Funkeinheit überträgt Füllstände in Echtzeit online in die Routensoftware von Entsorgern. Diese bekommen automatisch ihre beste Route ermittelt und in der Fahrzeugnavigation angezeigt. Die Entwickler Matthias Siegel und Wolfgang Armbruster der Isofleet GmbH versprechen 40 Prozent geringere Entleerungskosten und reduzierten CO2-Ausstoß – in der aktuellen Feinstaubdebatte vieler Städte ein Thema. In vielen Altkleidercontainern wird die Technik heute bereits bundesweit verbaut. Auch weitere Wertstoffsparten könnten profitieren, sind sich die Entwickler sicher.

Isofleet ist im Startup-Tower TIZ (Technik-Innovations-Zentrum) zuhause und wurde durch das Centrums für Satellitennavigation CESAH unterstützt. Die Präzisionswaagen werden in einem Inklusionsprojekt mit der kommunalen Behindertenwerkstatt von Studenten der TUD hergestellt. Beim europäischen Ideenwettbewerb ESNC 2016 ging Isofleet als hessischer Gesamtsieger hervor.

Authada

Das Darmstädter Unternehmen AUTHADA revolutioniert digitale Identifikationsverfahren: Via Smartphone können Kunden zur Verifikation ihrer Person die elektronische Identität (eID) des Personalausweises und eine PIN übermitteln. Dabei wird die NFC-Schnittstelle des mobilen Geräts genutzt. Die Übertragung geprüfter Stammdaten erfolgt innerhalb weniger Sekunden, verspricht AUTHADA-Mitarbeiter Timo Hoffmann. E-Government-Services, z.B. die Wohnsitzanmeldung in der digitalen Stadt können komplett abgebildet werden.
Auch die Eröffnung von Bankkonten wird zum voll digitalisierten, beschleunigten und sicheren Kinderspiel. Für Finanzinstitute, Versicherer, eCommerce, Gesundheitsanbieter, Transport und Logistik bietet die Technik Gegenwart und Zukunft. Postidentifikation und Videolegitimation sind überholt. Die Entwicklungen wurden mit zahlreichen Unternehmerpreisen bedacht, darunter der EXIST Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
AUTHADA ist als Ausgründung (digitaldeutsch: Spin-Off) der Hochschule Darmstadt seit dem Jahr 2015 aktiv und nutzt schon heute die vielseitige Wertschöpfungskette qualitativer Tech-Startup-Neugründungen in Darmstadt für seine IT-Lösung: Die Media Transfer AG (mtG) betreibt den eID-Server. Die sogenannten SaaS-Lösungen, die der Kunde gegen Gebühr buchen kann, werden im Hochsicherheitsrechenzentrum DARZ gehostet.

Mängelmelder-App

Prozessen der Bürgerbeteiligung nimmt sich das Darmstädter Unternehmen wer denkt was GmbH mit IT-Technik an. Eine erfolgreiche Idee: Der digitale Mängelmelder. Ob defekte Straßenlaterne oder Schlagloch, die Anliegen gelangen ohne Umwege an die richtigen Ansprechtpartner, versprechen die Unternehmensgründer Dr. Tobias Klug und Dr. Robert Lokaiczyk. Via App für Android- und iOS-Geräte schicken Bürger ihr Anliegen, übermitteln Bilder und Standortposition. Auf einer digitalen Karte werden öffentliche Anliegen sichtbar. Ein Ampelsystem zeigt den Bearbeitungsstand, Statusänderungen sind öffentlich sichtbar und können von Bürgern kommentiert werden. Auch die Verwaltung kann komfortabel Rückmeldungen abgeben. Beseitigt werden wollen die digital übermittelten Mängel freilich in der analogen Welt.
Sieht so die transparente Bürgerbeteiligung der Digitalstadt-Zukunft aus? Seit dem Jahr 2011 ist die Plattform bundesweit verfügbar. Zu den Nutzern gehören Gelsenkirchen, Ingelheim und Mannheim. Wer denkt was ist ein Jahr zuvor als Spin-Off aus dem Multimedia Communications Lab der TU-Darmstadt gestartet und profitiert weiterhin von Nachwuchskräften aus vielfältigen Studiengängen der TU Darmstadt, sagt Projektleiterin Theresa Steffens. 2013 wurde das Unternehmen mit dem Hessischen Gründerpreis der Kategorie „Geschaffene Arbeitsplätze“ ausgezeichnet. Weitere Anwendungen zur digitalen Bürgerbeteiligung stehen bereit. Gemeinsam mit der Darmstadt Marketing GmbH und der Werbeagentur La Mina wurde die Darmstadt App entwickelt. Die App begleitet Gäste und Darmstädter auf dem Smartphone durch die Digitalstadt, unterstützt mit Informationen, Sehenswürdigkeiten und aktuellen Terminen.

Gastromatic

Die Personalplanung in Restaurants, Cafés und Hotels verlangt besondere Flexibilität: Verschiedene Schichten, plötzliche Ausfälle, netzwerkartige Arbeitsstrukturen mit Aushilfen und kurzfristige Bedarfsänderungen bei Festen und überraschenden Wetterlagen, stellen Personalplaner vor Herausforderungen. Zudem wollen Arbeitszeitgesetze und –Dokumentationspflichten beachtet werden. Das Darmstädter cloudbasierte Tool gastromatic der Entwickler Florian Klima und Patrick Pötzsch erleichtert die Planung.
Mitarbeiter und Arbeitgeber nutzen die Cloud (das Programm muss nicht installiert werden, es wird über Internet bereitgestellt) auf mobilen Endgeräten. Zeiterfassung, Dienstplanung, Urlaubsverwaltung und die Lohnabrechnung werden zentral verwaltet, kurzfristige Vertretungsgesuche und Schichtverschiebungen transparent über die App kommuniziert. Gastromatic wurde 2014 gegründet, inzwischen schätzen Restaurantbetriebe bundesweit die branchenspezifisch komfortable Lösung, in Darmstadt wird sie beispielsweise in der „Centralstation“ und im „Vinocentral“ genutzt. Die Software wird vermietet, monatliche Kosten richten sich nach der Mitarbeiterzahl. Die ehemaligen TUD-Studenten profitieren von der Unterstützung durch das Gründungszentrum der Universität „HIGHEST“ und schätzen weiter die Universitätsnähe: „das sichert uns regelmäßig geeigneten Zulauf junger IT_Absolventen“, sagt Florian Klima.

Nelumbox

Temperatursensible Güter müssen bei vorgeschriebener Temperatur transportiert werden, andernfalls drohen Risiken und wirtschaftliche Verluste. Die Echtzeitüberwachung und Dokumentation der Kühlkette ermöglicht das Darmstädter Startup Nelumbox. Die Entwicklung: Eine aktive Kühlboxen für den Medikamententransport mit integrierter Live-Tracking Funktionalität.

Über die Mobiltelefon-Standards GPS und UMTS und auch interkontinental via GPS-Satelliten lässt sich der Transport überwachen: Parameter wie Standort, Bewegung, Temperatur, Luftfeuchte und Zugriff, via Lichtsensor, sind permanent kontrollierbar. Die Daten stellen die Jungunternehmer um den findigen Produktentwickler Martin Voigt vom Pharmaunternehmen bis zum Patienten über eine Cloud-Infrastruktur zur Verfügung. Gefahren für Patienten werden so vermieden, der Logistikprozess optimiert und Verpackungsmaterial eingespart, nennt Ina Brecheis von Nelumbox die Vorzüge. Auf die Idee kam Martin Voigt während der Fußball-Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro. Er arbeitete als On-Board Kurier, transportierte Doping-Proben in das Labor in Lausanne. Seine Erkenntnis: Die verwendeten passiven Kühllösungen verursachen viel Verpackungsmüll und werden unbeaufsichtigt transportiert – die Idee der Nelumbox war geboren. Voigt und sein Team konnten sie im Darmstädter Startup-Tower TIZ (Technik-Innovations-Zentrum) und mit Unterstützung des Centrums für Satellitennavigation CESAH umsetzen. Ina Brecheis ist überzeugt: Die Nähe zu zahlreichen Akteuren der Pharmaindustrie rundet in Darmstadt die perfekten Standortbedingungen ab.

Privalino

Bei der Kommunikation im Internet sind Kinder Gefahren ausgesetzt. „Schickst du mir Bilder von dir?“, „können wir skypen?“ – mit solch anzüglichen Maschen versuchen sich sogenannte Cyber-Groomer in Chats zu nähern, sagt Patrick Schneider von Privalino. Die in Darmstadt entwickelte App verspricht pädokriminelle Angriffe auf das Kind frühzeitig zu erkennen und löst einen Alarm auf dem Smartphone der Eltern aus.

Dazu wird ein Programm auf dem mobilen Gerät der Kinder installiert. Es untersucht Chatnachrichten, anhand zahlreicher Merkmale, wie Satzstruktur, Wortschatz und Satzkomplexität. Mit intelligenten Algorithmen kann Privalino typische Muster für Cyber- Grooming lernen und klassifizieren, erklären die Gründer Dr. Nicolai Erbs und Kolja Lubitz. Für die Entwicklung haben sie selbst in Jugendchats kommuniziert. Sie haben sich mit Scheinidentitäten als Kinder ausgegeben, sich einschlägig pädophilen Chatverläufen ausgesetzt und diese wissenschaftlich analysiert.

Eltern sollten Privalino bei ihren Kindern im Alter zwischen acht und zwölf Jahren auf dem Smartphone installieren und sich über potentiell gefährliche Nachrichten informieren lassen, rät Patrick Schneider. Die taufrischen Gründer sind als Stipendiaten bei der TU-Darmstadt beschäftigt, erhalten das EXIST-Gründungsstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und werden durch das Innovations- und Gründungszentrum der Universität „HIGHEST“ gefördert. Die Wissenschaftsstadt bietet eine einmalige Umgebung um Forschung in Wirtschaft zu übertragen, sind die Gründer überzeugt. Sie sagen: „Der Ideenwettbewerb der TU hat uns erst dazu gebracht unsere Idee umzusetzen.“