1976: Flüssigkristalle

Die Firma Merck beginnt bereits im Jahre 1914 mit dem Verkauf von Flüssigkristallen. Es sollte jedoch noch bis 1976 dauern, bis die Kristalle durch Merck-Forscher bahnbrechned weiterentwicklet wurden. Die Forschungsergebnisse begründeten die rasante Entwicklung der Displaytechnologie in unseren Handys und Laptops. Als in den 1990er Jahren – Dank der Entwicklung von farbigen Flüssigkristallen und portablen PCs – der Markt zu boomen begann, waren viele der früheren Wettbewerber bereits aus dem Markt ausgestiegen. Durch das Aufkommen von LC-Monitoren auch für Desktop-PCs und insbesondere der Flachbildschirme auf TFT-Basis als Fernsehgerät, entwickelte sich das Geschäft mit den Flüssigkristallen zu einem der größten Gewinnbringer des Unternehmens im 21. Jahrhundert.

1988: Das elektronische Auge

Im Jahre 1988 entwickelt ISRA Vision das weltweit erste System zur Oberflächeninspektion für Vliesprodukte und legte damit den Grundstein für ISRAs heutige Technologieführerschaft in Surface Vision. Die Keimzelle von ISRA VISION entstand 1985 in der Technischen Universität Darmstadt. Der heutige Geschäftsführer Enis Ersü gründete zusammen mit weiteren Experten für Robotik und Bildverarbeitung das Unternehmen ISRA Systemtechnik GmbH, um die erarbeiteten wissenschaftlichen Konzepte schnell in wirtschaftliche Hightech-Lösungen umzusetzen und trug damit maßgeblich dazu bei weltweit führende Technologiesprünge im Bereich der Textur- und Oberflächenerkennung zu ermöglichen.

1994: Ein neues Element

Das Element Darmstadtium wurde erstmals am 9. November 1994 bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt von Peter Armbruster und Gottfried Münzenberg, unter der Leitung von Sigurd Hofmann hergestellt. Das neue Element wurde durch Fusion eines Blei- und eines Nickel-Ions künstlich erzeugt. Der zunächst geltende Name Ununnilium des Elements leitet sich von der lateinischen Bezeichnung seiner Ordnungszahl 110 ab. Am 15. August 2003 wurde der Name Darmstadtium von der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) akzeptiert. Zu Ehren der Darmstädter Gesellschaft für Schwerionenforschung, die sechs neue Elemente entdeckt und hergestellt hat, wurde am 2. Dezember 2003 Ununnilium offiziell auf Darmstadtium (Ds) getauft. Darmstadt ist damit die einzige deutsche Stadt, nach der ein Element benannt wurde.

2004: Rosetta & Philae

Die Rosetta Mission begann am 2. März 2004. An diesem Tag startete die gleichnamige Sonde und erreichte nach 10-jähriger Reise den Orbit des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko im August 2014. Sie verblieb in diesem mehr als zwei Jahre und setzte im November 2014 den Lander Philae aus, die erste Sonde, die jemals in der Menschheitsgeschichte auf einer Kometenoberfläche aufgesetzt hat. Am 30. September 2016 wurde Rosetta selbst gezielt auf dem Kometen zum Absturz gebracht, bevor die Energie der Sonde aufgrund des sich nun wieder weiter von der Sonne entfernenden Kometen zur Neige ging. Gesteuert wurden Rosetta und Philae aus über 400 Millionen Kilometer Entfernung im europäischen Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt.

Presse-Stimme // Darmstadt steht beim bundesweiten Wettbewerb „Digitale Stadt“ auf der Shortlist

Das erste Etappenziel ist erreicht: Darmstadt hat es beim bundesweiten Wettbewerb „Digitale Stadt“ des IT-Branchenverbandes Bitkom mit vier weiteren Bewerbern – Heidelberg, Kaiserslautern, Paderborn und Wolfsburg – auf die Shortlist geschafft. Nicht mehr im Rennen sind hingegen Bergisch Gladbach, Bremerhaven, Cottbus, Göttingen, Gütersloh, Jena, Konstanz, Ludwigsburg und Ratingen.

„Dass wir es auf die Shortlist geschafft haben, ist eine hervorragende Nachricht für unsere Stadt“, freute sich Oberbürgermeister Jochen Partsch nach der Bekanntgabe der Entscheidung. „Der Beschluss zeigt, dass wir die Jury mit unserem innovativen Konzept nachhaltig von unseren Ideen für die Digitalisierung Darmstadts überzeugen konnten.“

Zusätzliches Gewicht dürfte die bestehende bundesweite Wahrnehmung der Stadt als deutsches IT-Zentrum gehabt haben. „Denn viele infrastrukturelle Voraussetzungen für eine umfassende Digitalisierung sind in Darmstadt bereits vorhanden,“ so Partsch weiter. „So bieten wir etwa mit der Darmstadt-App und dem Stadtwirtschaftsportal einen hohen Nutzen für die Menschen.“

Partsch sieht seine Stadt zudem bei der Bürgerbeteiligung weit vorne – außerdem habe man das Parlament-Informationssystem. Und auch die Unternehmen seien beim Thema Digitalisierung gut unterwegs: „Bei Entega gibt es zum Beispiel die digitale ,Customer Journey‘ und im Klinikum die digitale Terminvereinbarung“, so der Oberbürgermeister.

Ende Mai treten die verbliebenen Kandidaten im „Oberbürgermeister-Pitch“ gegeneinander an. „Jetzt wollen wir den Wettbewerb natürlich auch gewinnen“, zeigte sich Jochen Partsch kämpferisch. „Dafür werden wir weiter konzentriert an unserem Konzept arbeiten.“

Presse-Stimme // IHK-Präsidentin Sinemus sieht digitale Entwicklung in Südhessen positiv

Am Mittwoch findet in Bad Homburg auf Initiative der Landesregierung der Auftakt für das Zukunftsforum Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main statt. Kristina Sinemus, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, diskutiert dort zum Thema Metropolregion 4.0 „Herausforderungen der Digitalisierung – auf dem Weg zur smart region“. Sinemus ist eine der engagiertesten Verfechterinnen des Metropolregion-Gedankens. Im Redaktionsgespräch sieht sie derzeit sowohl die Region als Ganzes als auch den südhessischen Raum bestätigt und befeuert: „Deswegen finden wir es sehr gut, dass die Landesregierung zum Zukunftsforum Metropolregion einlädt und uns dabei aktiv einbindet.“

Darmstadt und Südhessen haben nach Ansicht von Sinemus vor allem über die Themen Digitalisierung und Gründerkultur ihren Platz und ihr Alleinstellungsmerkmal gefunden, ohne dass das wie zu früheren Zeiten über Rivalitäten mit dem großen Frankfurter Nachbarn geschehen wäre. „Man sieht das zum Beispiel bei der Fintech-Initiative: Frankfurt ist Fin (also Finanzen, Anm. d. Red.), Darmstadt ist Tech. Da muss man mittlerweile nicht mehr drüber reden.“

Bundesweit einmalig sei in diesem Zusammenhang, so Sinemus weiter, der vier Millionen Euro schwere Innovationsfonds der IHK Darmstadt, der sich zu 50 Prozent aus Eigenmitteln der Kammer speise. In Kombination mit dem für das dritte Quartal 2017 gemeinsam mit Stadt Darmstadt geplanten Technologie- und Gründerzentrum verfolge man damit ein ganz spezielles Ziel: „Wir haben hier viele junge Talente mit guten Ideen. Aber wenn diese das schützende Mutterschiff verlassen, etwa die TU Darmstadt, dann tun wir noch zu wenig für sie.“

Für den Fonds kann man sich mit einem Businessplan bewerben, im Gründerzentrum hat man dann drei bis fünf Jahre Zeit, die eigenen Ideen wirklich marktreif zu bekommen. „Das ist keine Einzelaktion der Kammer und der Stadt. Mit im Boot sind die TU und die Hochschule Darmstadt“, sagt Sinemus. Die breite Unterstützung sei notwendig: „Nur so halten wir die Talente und damit die Wertschöpfung in der Region.“

Die enge Wertschöpfungskette von Wissenschaft über Start-ups bis in die freie Wirtschaft sei, so Sinemus weiter, eine weitere Besonderheit der Region. In Rhein-Main-Neckar arbeiten nach Angaben der Kammer etwa 70.000 Beschäftigte in 7600 Unternehmen allein in den Bereichen IT und Cybersicherheit: „Diese Unternehmen erwirtschaften etwa 18 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.“

Die Kammer unterstützt die Stadt Darmstadt beim Wettbewerb „Digitale Stadt“ des IT-Branchenverbandes Bitkom. Darüber hinaus hat die IHK zusammen mit dem Fraunhofer SIT und der TU Darmstadt am 15. März beim Bundeswirtschaftsministerium einen Förderantrag als „Digital Hub“ eingereicht. „Interessant dabei ist, dass der Begriff Digital Hub wie ein Gütesiegel für Risikokapitalgeber wirkt“, erläutert Sinemus.

Insgesamt, so die Kammerpräsidentin, habe Südhessen eine „kritische Sichtbarkeit“ gewonnen: „Wir werden auf nationaler Ebene gefragt, was man tun kann, um mit der Wissenschaft so gut zurechtzukommen wie wir.“ Beim Tag der Metropolregion am 11. Mai in der IHK Frankfurt solle dies alles gebündelt herausgestrichen werden: „Das ist eine gemeinsame Veranstaltung für die Metropolregion. Wir müssen bei Sachthemen vorankommen, um den Gesamtstandort zukunftssicher zu machen. Dafür haben die Wirtschaftskammern in der Region die Initiative Perform – Zukunftsregion Frankfurt Rhein Main ins Leben gerufen.“

Dass die Kammer vor lauter strategischen Zielen nicht die klassische Klientel aus den Augen verliert, dafür soll die Konferenz „Mittelstand 4.0“ sorgen, die für den 8. und 9. Juni in Darmstadt angesetzt ist. Und vorher trifft man sich in Frankfurt unter dem Dach der Metropol-Idee. Dann soll auch die beste Idee des Perform-Wettbewerbs „Raus dem dem Stau“ gekürt werden, zu dem Bürger, Verbände und Institutionen aufgerufen worden waren. „Wir haben über 200 Einsendungen“, freut sich Sinemus.

Von Lars Hennemann

Presse-Stimme // Interview mit OB Partsch: Digitalisierung auf Darmstädterisch

Darmstadt will Deutschlands „Digitale Stadt“ werden. Wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) bestätigte, geht die Bewerbung für den von Bitkom, dem Dachverband der IT-Branche, und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund ausgeschriebenen gleichnamigen Wettbewerb heute raus. Das ECHO fragte den Oberbürgermeister, worauf er seinen Optimismus gründet, wenn er sagt: „Wir haben alle Chancen, in diesem Wettbewerb erfolgreich zu sein.“

Herr Partsch, Darmstadt will Deutschlands „Digitale Stadt“ werden. Warum?

Die Digitalisierung wird sich durchsetzen. Sie ist eine große Veränderung des Lebensstils aller Menschen. Es ist also wichtig, sich frühzeitig damit auseinander zu setzen. Wenn man dann noch wie wir in Darmstadt auf dem Feld der Digitalisierung bereits vieles erreicht hat, dann muss man an diesem Wettbewerb einfach teilnehmen.

Welche Errungenschaften meinen Sie?

Darmstadt hat heute schon Vorbildcharakter für andere Kommunen. Wir beschäftigen uns auf allen gesellschaftlichen Handlungsfeldern mit dem Thema. Wir haben große Informatikfachbereiche an der TU und der Hochschule. Wir haben das House of IT. Wir haben die Fraunhofer-Institute, die Spitzenreiter bei der grafischen Datenverarbeitung sind. Wir haben ein Software-Cluster aus vielen Unternehmen. Und auch die Verwaltung hat bereits viele Angebote digitalisiert.

Das klingt ja alles schön und gut, aber was hat der Bürger von diesem Wettbewerb?

Viel Fördergeld, die in Projekte fließen, die man sinnhafter Weise sowieso angehen müsste. Die Verwaltung wird immer einfacher erreichbar sein, man hat als Bürger immer den Überblick über alle Dienstleistungen. Aber auch beim Thema autonomes Fahren und der Open Data Plattform für Verkehrsdaten entsteht unmittelbarer Nutzen für die Bürger. Nicht umsonst haben wir gemeinsam mit dem Urban Institute bereits den Digital Leader Award im Bereich Mobilität gewonnen.

Wer steht denn hinter Ihnen und der Idee der Teilnahme?

Wir haben mehr als 70 Unterstützer, darunter Merck, Opel, Heag, Evonik und viele andere. Auch das Land Hessen hat sich entschieden, ausschließlich Darmstadt zu unterstützen, weil das und das, was wir tun, in die hessische Digitalstrategie passt.

Fördergelder, das klingt immer schön. Muss Darmstadt aber auch eigene Mittel locker machen, um den Zuschlag zu bekommen?

Wir sind nicht verpflichtet, eigene Beiträge zu leisten. Aber es ist natürlich sinnvoll zu schauen, was wir ohnehin tun würden, und das dann mit den Möglichkeiten, die die Förderung bieten würde, zu verknüpfen.

Was unterscheidet Darmstadt von den Mitbewerbern?

Wir haben als Wissenschaftsstadt bereits internationale Anerkennung gewonnen. Darauf werde ich angesprochen, wo immer ich in Kontakt mit anderen Kommunen komme. Wir haben Merck, die eine Milliarde Euro in Darmstadt investieren. Wir haben die ESA, wir haben die GSI, die 1,4 Milliarden Euro in den Teilchenbeschleuniger investiert. Und wir haben einige weitere renommierte Einrichtungen, die sich gerne in Darmstadt ansiedeln würden.

Welche?

Ich würde es gerne sagen, darf aber nicht.

Was macht die Darmstädter Verwaltung und die Stadtwirtschaft besonders?

Wir bieten mit der DarmstadtApp und mit dem Stadtwirtschaftsportal einen hohen Nutzen für die Menschen in Darmstadt. Wir sind sehr weit vorne bei der Bürgerbeteiligung. Wir haben das Parlament-Informationssystem. Bei Entega gibt es die digitale „Customer Journey“, im Klinikum Darmstadt haben wir die digitale Terminvereinbarung. Es gibt wirklich sehr viele Beispiele.

Digitalisierung ist aber auch mit Risiken behaftet. Wie sehen Sie diese?

Das stimmt. Deshalb betreiben wir das in Darmstadt ja auch nicht nach dem asiatischen Modell auf Teufel komm raus, sondern immer unter demokratischen und gesellschaftlichem Aspekt. Wir wollen elektronischen Mehrwert und keine reine Technokratie. Wir schauen immer auch auf die sozialen Aspekte, etwa beim Quartiermanagement. Auch bei den Arbeitsplätzen wird ein gravierender Wandel stattfinden. Aber noch mal: Die Digitalisierung wird kommen, sie ist längst da, also muss man sie aktiv gestalten.

Wann wollen Sie das den Bürgern erklären?

Wenn wir es auf die Shortlist schaffen, und davon gehen wir aus, wird es nach dem 31. März eine Veranstaltung mit den Bürgern und für die Bürger geben. Wir können diesen Wettbewerb gewinnen. Und wenn wir ihn gewinnen, gewinnt Darmstadt. Als Stadt und als Stadtgesellschaft.

Das Interview führte
Lars Hennemann.

Presse-Stimme // Harald Schöning: „Kompetenz in den Mittelstand tragen“

Weiterhin Sprecher und Gesicht des IT-Clusters ist der Software-AG-Manager Harald Schöning. Wir haben mit ihm über die neue Struktur des Netzwerkes und die Ziele gesprochen.

Herr Schöning, was bislang in Darmstadt koordiniert wurde, soll in Zukunft gemeinschaftlich gemanagt werden. Wie soll das gelingen?

Das Clustermanagement liegt immer noch bei denselben Akteuren. Auf Basis des unterzeichneten Kooperationsvertrags erfolgt, wie in den vergangenen Jahren auch, die Koordination durch die vier regionalen Netzwerke Darmstadt, Karlsruhe, Kaiserslautern und Saarbrücken. Nach dem planmäßigen Ende der Spitzencluster-Förderung ist es uns durch diesen Schritt gelungen, das dauerhafte Fortbestehen der Software-Cluster-Organisation zu ermöglichen. Damit ist die Kontinuität der Zusammenarbeit der vier lokalen IT-Netzwerke mit ihren 1500 Mitgliedsunternehmen sichergestellt.

Wo kommen nach Auslaufen der Förderung die Forschungsmittel her?

Die Mittel für die Koordination werden von den vier IT-Netzwerken selbst aufgebracht. Der Software-Cluster wird weiterhin öffentlich geförderte Forschungsprojekte durchführen. Aktuelles Beispiel ist ein von der EU-Kommission gefördertes Projekt, das die Digitalisierung der Biopharma-Branche durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Softwareunternehmen zum Ziel hat.

Welche Rolle kann das Cluster im globalen Wettlauf bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen/-modellen spielen?

Unser wichtigstes Anliegen als Software-Cluster ist, unseren Kompetenzbereich der Unternehmenssoftware, in dem wir nebenbei bemerkt europaweit führend sind, in den Mittelstand zu tragen. Die Softwarebranche gilt weltweit als Voraussetzung für eine erfolgreiche digitale Transformation. Mit über 11 000 Unternehmen im Cluster sind genau diese weltweit führenden Kompetenzen in unserer Region gebündelt.

Was verspricht man sich von der angestrebten Internationalisierungsstrategie?

Diese Strategie liegt in der Öffnung der internationalen Märkte für unsere mittelständischen Softwareunternehmen in der Clusterregion. Hierbei sollen insbesondere Zugänge zum Silicon Valley sowie in die Märkte in Brasilien und in Singapur geschaffen werden. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen im Software-Cluster Zugänge zu neuem Wissen und Erfahrungen, die in diesen Regionen besonders reichhaltig vorhanden sind, beispielsweise im Bereich der Plattform-Ökonomie (Silicon Valley) oder bei mobilen Anwendungen (Singapur).

Wie ist das Cluster verzahnt mit den überall aus dem Boden schießenden Start-up-Aktivitäten?

Die Förderung von Start-ups gehörte von Anfang an zu den Aufgaben des Software-Clusters. Vor allem die regionalen Koordinierungsstellen haben ein breit aufgestelltes Angebot für Unternehmensgründer und unterstützen diese in allen Phasen der Geschäftsentwicklung.

Das Interview führte Achim Preu.

Presse-Stimme // Programmieren als Fremdsprache

DARMSTADT/SAARBRÜCKEN – Wo liegen die Stärken Darmstadts und Deutschlands im Digitalen? Wir haben dazu auf dem nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken mit Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD) und Karl-Heinz Streibich, CEO der Software AG, gesprochen.

Frau Zypries, Herr Streibich, Darmstadt gilt bundesweit als bester Zukunftsstandort, wie das Städteranking der „Wirtschaftswoche“ festgestellt hat. Ist die Stadt denn auch im Bewusstsein der jungen Talente und der Entscheider gedanklich so besetzt?

Zypries: Es ist eindeutig bekannt, was Darmstadt zu bieten hat. Das gilt sowohl für den Stellenwert Darmstadts in der Rhein-Main-Region als auch mit Blick auf die Bundesebene.

Streibich: Wir treffen uns heute in Saarbrücken zum mittlerweile zehnten nationalen IT-Gipfel. Wir hatten diese Veranstaltung auch schon in Darmstadt, es war damals der vierte Gipfel. Wir waren also damals schon sehr zukunftsorientiert. Darmstadt profitiert von einem exzellenten Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, dazu eine breit aufgestellte Hochschullandschaft, und vielfältige Angebote für Gründer und junge Talente.

Welche meinen Sie?

Streibich: Nehmen Sie beispielsweise die Initiative „Green Smart City“ – sie unterstreicht das Bewusstsein für die zukünftigen Trends. Darüber hinaus gibt es viele regionale Initiativen wie das „House of IT“ oder „IT for Work“ der IHK.

Trotzdem hat man den Eindruck, dass es mit der Digitalisierung in Deutschland immer noch nicht schnell genug vorangeht. Teilen Sie diese Einschätzung?

Streibich: Was bedeutet es denn an erster, zweiter oder dritter Stelle in einem Vergleich zu liegen? Wir sind zwar nicht so digitalisiert wie beispielsweise Estland, aber Estland ist auch deutlich kleiner. Deutschland mit über 80 Millionen Einwohnern ist also nicht nur wesentlich größer, sondern auch noch föderal strukturiert. Das muss aber insbesondere bei der Digitalisierung kein Nachteil sein. Wichtig ist, die notwendigen Entscheider miteinander zu vernetzen.

Zypries: Der Bund kann über seine eigene Digitale Agenda den Rahmen vorgeben, vor allem den rechtlichen, und er tut dies auch. Mit der Digitalen Strategie 2025 haben wir zudem aufgezeigt, welche Instrumente in Zukunft nötig sein werden, damit die digitale Transformation unserer Gesellschaft gelingt.

Welche Bedeutung hat der IT-Gipfel dabei?

Streibich: Beim IT-Gipfel kommen wichtige Entscheidungsträger zusammen, um weitere Synergien zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung zu erzielen. Das ist nicht wie auf einer Messe, bei der jeder für sich allein unterwegs ist.

Zypries: Wie breit der Anspruch an den Gipfel mittlerweile ist, sehen Sie daran, dass auch die Sozialpartner teilnehmen. Das ganze Thema Industrie und Arbeit 4.0 ist ohne Gewerkschaften undenkbar. Also kommen sie zum Gipfel und diskutieren mit.

Das Schwerpunktthema in diesem Jahr ist Bildung. Was macht Deutschland bei der digitalen Bildung gut?

Zypries: Vor allem an den weiterführenden Schulen haben wir vieles hinbekommen. Bei den Berufsschulen werden wir die Digitalisierung in der dualen Ausbildung verankern. Anfang 2017 starten wir ein Pilotprojekt mit dem Elektrohandwerk, das wir dann flächendeckend auf alle Gewerke übertragen wollen. Die Digitalisierung muss aber schon in den Grundschulen beginnen.

Streibich: Hier kommt wieder der Vernetzungsaspekt hinzu: Bildung und digitales Know-how müssen noch stärker verbreitet werden. Es geht nicht um das Bedienen bestimmter Apps. Es muss im Schulunterricht darum gehen, selbstständig Lösungen zu erarbeiten, vor allem über das Programmieren. Die Zukunft wird maßgeblich durch Software getrieben. Folglich werden diejenigen erfolgreich sein, die Softwarekenntnisse besitzen. Und ich rede nicht von Standardsoftware, ich spreche vom Umgang mit großen Datenmengen, die man agil, kundenbezogen und in Echtzeit auswerten kann.

Glauben Sie nicht, dass beim Thema Digitale Bildung viele immer noch zusammenzucken, vor allem, wenn Sie jetzt von Grundschulen reden?

Zypries: Es gibt Vorbehalte, ja, aber das ist normal. Dann muss man eben aufklären. Wir stellen hier in Saarbrücken zum Beispiel den Mini-Computer „Calliope Mini“ vor, der kostenlos an Drittklässler in ganz Deutschland verteilt werden soll. Damit wollen wir die IT- und Medienkompetenz von Kindern früh stärken. Sie sollen das Programmieren als „digitale Fremdsprache“ lernen.

Streibich: Ein digitales Whiteboard allein macht noch keinen guten Unterricht, aber deshalb darf man doch nicht die Digitalisierung in der Schule schlecht machen. Und noch einmal: Junge Menschen haben heute einen ganz anderen Zugang zu diesem Thema. Daher verstehen sie teilweise die öffentliche Skepsis gar nicht. Natürlich braucht man gute Konzepte. Aber die gibt es bereits, sonst hätten wir eben auch und gerade in Darmstadt nicht die Fülle an jungen großartigen Talenten.

Das Interview führte Lars Hennemann.